(English) Ganglia. CD Review. Italy. Percorsi Musicali. December 2018

Sensorische Systeme für Vocalità: VocColours mit Andrei Razin

Author: Ettore Garzia
Deutsch Übersetzung: Brigitte Küpper

http://ettoregarzia.blogspot.com/2018/12/sistemi-sensoriali-della-vocalita.html

Wenn man über die Entwicklung eines Musiksektors spricht, versuchen wir zu untersuchen, was Komponisten und Musiker vor dem kreativen Eingriff taten. Im Bereich der Vokalmusik geizt die Geschichte sicherlich nicht mit Konsequenzen, aber das Interesse am modernen Stimmausdruck bleibt immer noch ziemlich außen vor, insbesondere das der Improvisationsform.

Ganglia, die neue CD von VocColours zusammen mit dem Pianisten Andrei Razin ist ein gutes Beispiel dafür, wie mit voller Kapazität an humoralen Verdichtungen des Vokalen gearbeitet wird: epidermisch organisierte Arbeit, die sich aus Teilen des Free Jazz entwickelt.

Ganglia ist ein emotionaler Wirbelsturm, der vier Stimmen und ein Klavier rüttelt, ein Land der Wunder der Artikulation, unmittelbar wahrnehmbar durch das Hören. Künstlerisch richten sie die Aufmerksamkeit auf die Fragmentierung, eine Reihe von erweiterten Techniken, die durch die Stimme hergestellt werden, „einzigartige“ Obertöne, die keiner Regel folgen – unerklärbar, weder im Himmel noch auf der Erde. .Die Besonderheit ist, dass VocColours es musikalisch geschafft haben, eine Brücke zwischen den Stimmexperimenten von Jaap Blonk, denen der klassischen Musik nach 1950, jenen der stimmlichen Verfälschungen von McFerrin und der harmonischen Haltung der großen Vokalgruppen im Jazz (Trio Lambert-Hendricks-Ross und Manhattan Transfer) in einem Streich zu schaffen.

Ganglia ist schon vom Cover an großartig, eine Reproduktion von Niepokój (übersetzt: Angst), das Gemälde der jungen polnischen Künstlerin Marta Kawecka, eine Malerin vor allem mit Interesse an der Darstellung von „Grenzen“ zwischen den verschiedenen Künsten: die Verbindung der Unruhe, die durch die Malerei zum Ausdruck kommt, wird mit der Art eines Pilzkatalysators des menschlichen Nervensystems kombiniert und möchte auf ein Stadium der Revolution hinweisen, um auf einen Ort zu verweisen, an dem sich ein Kern aus Elementaren bildet, in der Lage, neue Einstellungen zu unterstützen. Warum nicht in der Musik replizieren, was in der Wissenschaft oder der bildenden Kunst geschieht?

Norbert Zajac, Brigitte Kupper, Gala Hummel und Iouri Grankin suchen, effektiv auf diese Frage zu antworten, zu wissen, die richtigen Waffen zu halten, Erwiderungen wahrer Emotionen zu provozieren. Und im Hinblick darauf verfügt Ganglia über umfangreiche Zeugnisse:

Bei Blau, verkörpert Grankin eine Art Polyphemo-Erwachen, mit vier Klavierakkorden ins Nichts geworfen und einem Gespräch, das an Al Jaurreau von „We got by“ erinnert; Aus dem Tremolo, geht es zum Rezitierstil alla Van Schouwburg in Poltergeist, in dem ein Oberflächen-Jazz einen besonderen Kontrapunkt trifft, mit einzelnen und unverständlichen Sprachen, die kommen und gehen. Stimm-Simulationen (vom Bass alla McFerrin bis zu opernhaften Stimmen), jedoch neu zusammengestellt, Poltergeister, die eine ungewöhnliche Flugbahn ergreifen; sowie die Brownsche Bewegung, das Zufallsmuster ergreifen, wo die Improvisationen keine Richtung haben, aber zu einem spektakulären experimentellen Inzest hinweisen (Stillstand, fragmentierte Intonation, Unruhe, etc.); ein erzwungenes Lachen eröffnet a bing, inkohärente Entwicklung eines Club-Songs, auf tonlosen Noten gearbeitet, die sich mehr oder weniger schnell auf das sinnliche Erfassen des Klavierparts einlassen, während t’entend mit einer unglaublichen Gesangsleistung von Kupper eröffnet wird, es hat die Form einer Vielzahl von Stimm Kastrationen, in einen Dialog mit Razin, überdies mit Verbindung zu Sonaten von Schwitters; ein freies Klavier führt zu und unterstützt faint chill, ein surreales Lied, das von spiralförmigen Melodien lebt, wo die vier zusammenkommen, aber dann das Chaos in der zweiten Hälfte erhöhen, gefolgt vom dynamischen Requiem7, den Stimmklangkörper auf die Spitze getrieben;

Ganglia ist / sind – invece – vokale und musikalische Atome in freier Bewegung, verflochten aus schnellen Scats, Simulationen und non Sense, in einem atemlosen Gewölbe. Das letzte Stück, golden fog, scheint dann ein Stück 4AD, in Vokalimprovisation geführt, da sind die harmonischen Geister, die im akustischen Raum stehen.

Verstehen Sie, dass Ganglia zu meinem Besten aus 2018 gehören würde, wenn ich es in der Zeit gehört hätte!